Mein Interesse für meine Vorfahren keimte schon in den 1970er Jahren auf – noch vor meiner Heirat im Jahr 1976. Das führte zu Gesprächen mit Elternteilen, zu Schriftwechseln mit Verwandten und zu Standesamtsbesuchen. Pfarrarchive besuchte ich damals noch nicht. Wichtige Fakten aus den damaligen Gesprächen notierte ich mir.

 

 

 

Zwischen ca. 1975 und ca. 2005 hatte ich immer wieder mal Zeitpunkte intensiverer Forschungsversuche nach den mütterlichen fränkischen Ahnen und den väterlichen sudetendeutschen Ahnen. Aber so richtig zufriedenstellend war die Gesamtausbeute nie, vor allem hinsichtlich der sudetendeutschen väterlichen Linie. Von den noch lebenden Angehörigen der väterlichen Linie erhielt ich nur einige wenige Urkunden und auch die Erinnerungen an die sudetendeutsche Zeit kamen spärlich und lückenhaft. Ein weiteres Hindernis für mehr Erfolg war bis 1989 der Eiserne Vorhang. Anfragen an die tschechischen Archive galten als schwierig, aufwendig, teuer und uneffektiv, Archivbesuche als kaum machbar.

 

 

 

Richtig in Fahrt kam meine sudetendeutsche Mikuta-Ahnenforschung eigentlich erst ab ca. 2005. Ich lernte mich mehr und mehr am eigenen PC vorwärts und nutzte dadurch immer mehr auch das Internet für meine Forschungen. Gleichzeitig begann ich, mich verschiedenen genealogischen Vereinen anzuschließen. Zum Beispiel der VSFF (Vereinigung sudetendeutscher Familienforscher) https://sudetendeutsche-familienforscher.de/ . Schritt für Schritt lernte ich hilfreiche sudetendeutsche Mitforscher kennen, erhielt Tipps und auch manches wertvolle Material. Der große Umbruch zu effektiver Forschung geschah in Tschechien etwa ab 2010, als die Digitalisierung der Kirchenbücher in den tschechischen Archiven begann. Bis ca. 2013 war man damit fertig und seitdem kann man online von zuhause aus in den Kirchenbüchern stöbern und seinen sudetendeutschen Vorfahren ausfindig machen. Einen weiteren Schritt nach vorn wagte ich im Frühjahr 2013 mit dem Aufbau einer eigenen genealogischen Webseite https://www.richmik.de/ . Einige gute Menschen fanden diese Webseite interessant, meldeten sich bei mir, gaben mir weitere gute Hinweise und wertvolles Material und empfahlen mir, jährlich den Sudetendeutschen Tag zu besuchen. Genau dies tue ich seit 2013 und es ergaben sich dadurch für meine Forschungsarbeit weitere gute Kontakte und Übergaben wichtiger Unterlagen. An den für mich wichtigen Tischen beim Sudetendeutschen Tag war ich in aller Regel mit Abstand der jüngste und der einzige nicht im Sudetenland geborene Teilnehmer. Aufgrund meiner ersten Teilnahme am Sudetendeutschen Tag im Jahr 2013 ergaben sich Entwicklungen, durch die ich einen seit 1978 bestehenden „Toten Punkt“ in meiner Ahnenforschung auflösen konnte. Ich fand danach online im Kirchenbuch der Pfarre Luditz endlich meine Urgroßmutter Marie Mikuta und konnte dadurch auch die widersprüchlichen Angaben in den von ihr vorliegenden Urkunden enträtseln. Die Folge dieses Sudetendeutschen Tags 2013 war auch, daß ich mit der gesamten überwiegend in Sachsen-Anhalt lebenden Nachkommenschaft des Bruders (Alois) meines sudetendeutschen Großvaters Franz Mikutta in Kontakt kam. Man organisierte dort inzwischen zweimal (2014 und 2017) große Treffen aller Nachkommen dieses Bruders. Meine Frau und ich waren jeweils dazu eingeladen. Das waren jeweils beeindruckende Veranstaltungen mit 50 bis 60 Teilnehmern. Dadurch entstand noch mehr Gutes. Ein Teilnehmer im Alter von ca. 40 Jahren begann 2016, sich ebenfalls für Ahnenforschung zu interessieren. Unsere Forschungsarbeit haben wir Mitte 2017 zusammengeführt und gegenseitig alles Forschungsmaterial ausgetauscht bzw. ergänzt. In den Jahren seit 2013 fühlte ich mich auch motiviert, die entsprechenden Heimatstuben zu den Kreisen meiner sudetendeutschen Vorfahren aufzusuchen und deren Material zu sichten. Ich besuchte mehrmals die Heimatstube für den Kreis Podersam (in Kronach) und einmal die Heimatstube für den Kreis Luditz (in Bad Sooden-Allendorf). Von jeder Heimatstube wurde mir erlaubt, die wichtigsten Ordner zu den Orten meiner Vorfahren auszuleihen und wichtiges Material zu kopieren bzw. zu digitalisieren. Etwa seit dem Jahr 2013 stieg auch mein Interesse an alten Heimatbriefen für den Kreis Luditz und für den Kreis Podersam. Durch verschiedene glückliche Umstände besitze ich inzwischen für den Kreis Luditz viele Jahrgänge ab etwa Mitte der 1970er Jahre. Von den Heimatbriefen für den Kreis Podersam („Saazerland“) habe ich inzwischen alle Jahrgänge ab 1949.

 

 

 

Wenn man so viele Jahre wie ich nach seinen Ahnen forscht, ist es ganz natürlich, daß man mehr und mehr den Wunsch entwickelt, sie und ihr Leben und ihre Umstände und ihre Orte besser kennenzulernen. Und die Wertschätzung für die Vorfahren nimmt dabei zu. Irgendwann genügt es einem nicht mehr, nur die wichtigsten Daten zu Geburt, Heirat und Tod zu ermitteln. Ich habe auch Friedhöfe meiner Ahnen aufgesucht und ich war vor Grabsteinen gestanden. Die meisten Grabsteine enthalten als Zusatz zum Namen mindestens die Lebensspanne (z.B. 1897 – 1977). Der Strich zwischen den beiden Jahreszahlen wirkt eigentlich unscheinbar, ist aber von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Denn dieser Strich stellt das gesamte Leben eines Vorfahren dar. Seine Kindheit, seine Jugend, seine Familiengründung, seine Lebensleistung, seine Herausforderungen, seine Prüfungen, sein Vermächtnis. Wenn man beginnt, sich um diesen unscheinbaren Strich zu kümmern, dann beginnt man mehr und mehr, auch sein Herz den Vorfahren zuzuwenden. Diese Herzenszuwendung ist der eigentliche Sinn von Familie und von erweiterter Familie. Und dadurch entsteht auch enorm Wichtiges für noch kommende Generationen. Und es ist auch ganz natürlich, daß sich der Wunsch entwickelt, die Orte der Ahnen aufzusuchen.

 

 

 

Es ist gut, seine Wurzeln zu kennen. Und es ist gut, seine eigene Geschichte aufzuschreiben und an die Nachkommen weiterzugeben. In diese beiden Richtungen arbeite ich - Vergangenheit und Zukunft. Und mittendrin (Gegenwart) meine Frau und ich mit der Verantwortung für Vorfahren und Nachkommen. Was für eine schöne Aufgabe!

 

 

 

Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die mich kennen und bei meinen Forschungen schon in irgendeiner Weise geholfen haben. Wer noch Heimatbriefe, Urkunden, Fotos (von Schulen, Schulklassen, Veranstaltungen, Festen, Kirchen, Gaststätten, etc.), Karten, Chroniken, Gedenkbücher, etc. übrig hat, findet in mir einen dankbaren Abnehmer. Es wäre schade, wenn solche historischen Unterlagen bei Haushaltsauflösungen (nach Sterbefällen) oder bei Umzügen einfach in den Müll entsorgt werden.